Erektile Dysfunktion – Krankheitsbild, Ursachen und Behandlung

Impotenz und Potenzstörungen sind ein sehr sensibles Thema. Viele Männer, die darunter leiden, sprechen nicht offen über ihr Problem, aus Angst verspottet oder nicht ernst genommen zu werden. Die sogenannte erektile Dysfunktion ist das häufigste Krankheitsbild und kann verschiedene Ursachen haben, die sowohl psychischer als auch organischer Natur sein können. Wichtig ist jedoch: Es gibt Möglichkeiten die erektile Dysfunktion zu behandeln.

Die erektile Dysfunktion, auch Erektionsstörung oder Potenzstörung genannt, meint eine Störung, bei der der Mann keine ausreichende Erektion aufrechterhalten kann. Die Störung bleibt dabei über einen langen Zeitraum bestehen. Da die erektile Dysfunktion meist eine organische Ursache hat und in vielen Fällen Vorbote noch schwererer Erkrankungen ist, sollte unbedingt der Gang zum Urologen erfolgen, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Verbreitung der erektilen Dysfunktion in Österreich

Viele Männer, die unter Potenzstörungen leiden, trauen sich aus Scham nicht zum Arzt. Dabei sind sie mit ihrem Problem nicht allein. Vor allem ältere Männer kämpfen häufig mit Erektionsstörungen: Während erektile Dysfunktion in Österreich bei den 25-Jährigen nur in Einzelfällen und bei rund zwei Prozent der 40-Jährigen auftaucht, sind es bereits 25 Prozent bei Männern über 65 Jahre. Insgesamt leiden in Österreich runden 800.000 Männer unter Potenzproblemen.

Die meisten Männer gehen laut Statistiken erst nach drei Jahren, die sie bereits mit Potenzproblemen verbracht haben,zum Arzt, denn erektile Dysfunktion ist für viele Männer ein Tabuthema. Auch die Tatsache, dass die Kosten von Potenzmitteln von Krankenkassen (privat und gesetzlich) nicht übernommen werden müssen, ist ein Problem. Wichtig ist jedoch, zuerst einmal die Ursachen erektiler Dysfunktion zu erforschen, denn: Die Potenzschwierigkeiten können in schweren Erkrankungen, wie Diabetes, begründet sein.

Ursachen und Diagnose der erektilen Dysfunktion

Die erektile Dysfunktion ist eine ernstzunehmende Erkrankung, denn sie ist nicht nur eine Belastung für den Körper, sondern kann auch innerhalb einer Beziehung zum Problem werden – vor allem dann, wenn in der Partnerschaft nicht offen über das Problem gesprochen wird. Die Thematisierung fällt vielen Männern schwer. Gleichwohl können solche Gespräche bereits der erste Schritt zur Ursachenforschung sein, denn: In Österreich sind 30 Prozent der Fälle von erektiler Dysfunktion psychischer Herkunft – die restlichen 70 Prozent sind auf organische Ursachen zurückzuführen. Auch eine Kombination mehrere Ursachen, die sowohl psychischer als auch organischer Natur sind, treten auf.

  • Psychische Ursachen als Auslöser der erektilen Dysfunktion Ist der Mann gesund, leidet er jedoch trotzdem unter erektiler Dysfunktion, kann dies nur eine psychologische Ursache haben. Männer, die sich in Behandlung begeben, berichten von Ängsten, die sie „blockieren“. Die Angst, die Partnerin nicht befriedigen zu können, ist hierbei meist die Hauptursache für die Potenzprobleme – in vielen Fällen spielen zusätzliche Beziehungs- oder berufliche Probleme sowie Selbstvorwürfe eine Rolle. Gefahr für die Gesundheit des Mannes besteht hier nicht, dennoch ist eine Behandlung erforderlich.
  • Organische Ursachen als Auslöser der erektilen Dysfunktion Rund 70 Prozent der österreichischen Fälle von erektiler Dysfunktion haben eine organische Ursache als Hauptauslöser. Diese Auslöser können vielfältig und mitunter lebensgefährlich sein, wenn keine Behandlung erfolgt. So kann die erektile Dysfunktion beispielsweise auf Bluthochdruck oder langjähriges Rauchen oder starker Alkoholkonsum zurückgeführt werden. Auch eine Verkalkung der Blutgefäße ist denkbar.

Die Diagnose einer erektilen Dysfunktion wird vom Urologen durchgeführt. Häufig ist jedoch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten verschiedener Fachbereiche notwendig: Bei psychologischen Ursachen wird ein Psychologe herangezogen. Bei Nervenschädigungen wird ein Neurologe herangezogen. Der Diagnoseablauf beim Urologen gliedert sich in verschiedene Schritte, die je nach Ursache und Behandlungsverlauf von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann:

  • Im ersten Schritt klärt der Urologe im sogenannten „Anamnesegespräch“ (Erhebungsgespräch, Bestandsaufnahme), wie sich die sexuellen Probleme des Patienten äußern. Hier wird meist auch deutlich, ob es sich um psychologische Ursachen handelt. Auch eventuelle Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahmen, die eine erektile Dysfunktion begünstigen, werden hier abgeklärt.
  • Es folgt eine Untersuchung des Körpers. Auch der Ultraschall wird hierfür genutzt, um Verletzungen zu erkennen. Eine Blutprobe klärt zusätzlich hormonelle Probleme ab.
  • Um den Körper möglichst zu schonen, werden bei weniger schweren Diagnosen, zuerst sogenannte PDE-5-Hemmer verabreicht. Erst wenn diese über einen längeren Zeitraum keine Wirkung zeigen, greifen die Ärzte zu invasiveren Methoden.

Je nach Befund sind unterschiedliche Behandlungsmöglichkeitendenkbar. Mit der Diagnose der Ursache ist jedoch der erste wichtige Schritt getan.

Behandlung der erektilen Dysfunktion

Die Häufigkeit der erektilen Dysfunktion in Österreich und anderen Ländern der DACH-Region wurde zum Anlass genommen, eine Behandlungsleitlinie, die sogenannte evidenzbasierte S1-Leitlinie, für die Behandlung von erektiler Dysfunktion zu erstellen. Diese beinhaltet die Behandlung mithilfe von drei verschiedenen Verfahren:

  • Psychotherapie: Ist die erektile Dysfunktion psychologischer Natur, wird mithilfe eines Psychotherapeuten, oft auch im Beisein des Partners, über die Probleme gesprochen, um psychische Barrieren zu lösen. Die Kosten werden dabei von der Krankenkasse übernommen.
  • Pharmakotherapie: Die Behandlung mit Medikamenten, sogenannten PDE-5-Hemmern, kann die Symptome lindern. Auch Prostaglandine, die injiziert oder in die Harnröhre eingebracht werden, sind denkbar.
  • Operative Eingriffe: Sie stellen die letzte Behandlungsmöglichkeit dar und werden vor allem bei Gefäßverletzungen angewandt.
  • Erektile Dysfunktion ist für viele Männer noch heute ein Tabuthema, über das sie nicht reden möchten – weder mit einem Freund, noch mit einem Arzt und erst recht nicht mit der Partnerin. Die sich daraus ergebenen Probleme im Sozialleben sind eine zusätzliche Last und spielen vor allem bei psychologisch begründeten Potenzproblemen eine entscheidende Rolle.

    Ohne ärztliche oder psychologische Hilfe bleibt eine erektile Dysfunktion bestehen – nicht ohne Grund versuchen Ärzte und Prominente durch entsprechende Kampagnen, den öffentlichen Dialog anzuregen und das Thema aus der Versenkung hervorzuholen. Nur so können Männer in Österreich und der restlichen Welt, offen mit dem Thema umgehen und sich ohne „schlechtes Gewissen“ in Behandlung begeben.